Immunsystem stärken - die Mitte stärken
Wenn die Tage kürzer werden
Der Spätsommer fühlt sich oft noch nach Sommer an und doch kündigt sich der Herbst bereits an. Die Tage werden kürzer, morgens ist es wieder frischer und nach den Ferien kehren Beruf, Schule und Kindergarten in den gewohnten Rhythmus zurück.
Damit beginnt auch die Zeit der ersten Schnupfnasen. Wo viele Menschen wieder aufeinandertreffen, werden Taschentücher schnell zu einem ständigen Begleiter.
Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet den Wechsel der Jahreszeiten als eine Zeit der Anpassung. Während im Sommer leichte und kühlende Lebensmittel im Vordergrund stehen, darf die Ernährung im Spätsommer und Herbst wieder etwas wärmer, nährender und regelmäßiger werden.

Die "Mitte" stärken
In der TCM spielen Verdauung und das sogenannte "Qi der Mitte" eine wichtige Rolle für die allgemeine Vitalität. Eine gut funktionierende Verdauung soll den Körper dabei unterstützen, aus der Nahrung Energie und Nährstoffe zu gewinnen.
Gerade jetzt empfiehlt die TCM deshalb häufiger warme, gekochte Mahlzeiten. Suppen, Eintöpfe, Getreidegerichte und gedünstetes Gemüse sind unkompliziert, bekömmlich und lassen sich gut in den Familien- und Berufsalltag integrieren.
Besonders passend für diese Jahreszeit sind beispielsweise:
Kürbis und Karotten
Süßkartoffeln
Fenchel und Lauch
Hirse, Hafer und Reis
Hülsenfrüchte
gekochtes oder gedünstetes Obst
wärmende Gewürze wie Ingwer, Zimt oder Kardamom
Dabei muss die Ernährung keineswegs kompliziert sein. Ein warmes Haferfrühstück, eine Gemüsesuppe zum Mittagessen oder ein Reisgericht mit saisonalem Gemüse können bereits einen guten Unterschied machen.
Weniger kalt, mehr gekocht
Im Sommer sind Salate, Rohkost, Smoothies und kalte Getränke für viele angenehm. Wenn die Temperaturen sinken, darf sich auch das Essverhalten verändern.
Aus Sicht der TCM können sehr viele kalte Speisen und Getränke die Verdauung belasten. Deshalb lautet eine einfache Herbstregel: öfter warm statt eiskalt und gekocht statt ausschließlich roh.
Das bedeutet nicht, dass Rohkost oder Salat grundsätzlich vermieden werden müssen. Vielmehr geht es um ein ausgewogenes Verhältnis – und darum, auf die eigene Verträglichkeit zu achten.
Milchprodukte bewusst einsetzen
Auch beim Thema Milchprodukte lohnt sich aus Sicht der TCM ein genauer Blick. Milch, Joghurt, Topfen und Käse werden traditionell als eher befeuchtend und teilweise schwer verdaulich eingeordnet. Bei Menschen, die zu Verschleimung, einem "vollen" Gefühl oder Verdauungsbeschwerden neigen, kann es sinnvoll sein, die Menge zu beobachten und auszuprobieren, ob weniger Milchprodukte guttun.
Gerade wenn im Herbst die ersten Schnupfnasen auftreten, kann ein bewusster Umgang mit Milchprodukten interessant sein. Die TCM verbindet eine ausgeprägte "Feuchtigkeit" im Körper unter anderem mit Schleim und Verschleimung. Dabei geht es nicht darum, Milchprodukte grundsätzlich zu verbieten. Entscheidend sind die individuelle Konstitution, die Menge und die persönliche Verträglichkeit.
Statt täglich große Mengen Milch, Joghurt, Topfen oder Käse zu konsumieren, kann man beispielsweise abwechslungsreich auf andere Eiweißquellen setzen: Hülsenfrüchte, Eier, Fisch, Fleisch oder gut verträgliche pflanzliche Alternativen.
Gut vorbereitet durch Beruf und Schule
Der Alltag im Herbst ist häufig dicht getaktet. Morgens muss es schnell gehen, mittags fehlt die Zeit und am Nachmittag wartet bereits der nächste Termin.
Gerade deshalb lohnt es sich, ein wenig vorauszuplanen. Eine Suppe lässt sich am Vorabend vorbereiten und am nächsten Tag mitnehmen. Gekochtes Getreide kann für mehrere Mahlzeiten verwendet werden und saisonales Gemüse ist schnell zu einer warmen Mahlzeit verarbeitet.
Auch für Kinder darf die Jause im Herbst etwas abwechslungsreicher und nährender sein: etwa warmes Getreidefrühstück, Obst in Kombination mit Nüssen oder Samen oder eine selbstgemachte Suppe im Thermobehälter.
Nicht erst auf den ersten Schnupfen warten
Eine ausgewogene Ernährung kann einen wichtigen Beitrag zu Gesundheit und Wohlbefinden leisten. Sie ersetzt jedoch keine medizinische Behandlung und ist kein Garant dafür, dass Erkältungen ausbleiben.
Aus TCM-Sicht geht es vielmehr darum, den Körper bereits vor der kalten Jahreszeit gut zu versorgen: mit regelmäßigen Mahlzeiten, ausreichend Schlaf, Bewegung, Erholung und einer Ernährung, die zur jeweiligen Jahreszeit passt.
Der Übergang vom Sommer zum Herbst ist deshalb ein guter Zeitpunkt, die eigenen Gewohnheiten sanft anzupassen.

Herbst beginnt auf dem Teller
Wenn die Tage kürzer werden, muss auch die Ernährung nicht schwer oder kompliziert werden. Einfache, warme und saisonale Gerichte bringen mehr Wärme in den Alltag und lassen sich gut mit Beruf, Schule und Familie verbinden.
Wer jetzt beginnt, wieder regelmäßiger zu kochen, auf saisonale Lebensmittel zu setzen und dem Körper ausreichend Ruhe zu gönnen, schafft eine gute Basis für die kommenden kühleren Monate.
TCM-Tipp für den Spätsommer: Starte den Tag mit einem warmen Frühstück. Zum Beispiel einem Hafer- oder Hirsebrei mit gedünstetem Apfel, Zimt und einigen Nüssen. So lässt sich die sommerliche Leichtigkeit langsam in eine herbstliche, nährende Ernährung überführen.